Adieu »mach dich laut«

Fünf Tage schreiben, vorlesen, schreiben, bloggen, diskutieren, schreiben. Die Medien-Text-Werkstatt mach dich laut ist vorbei. Schön wars. Weiterlesen

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Frische Texte – Die Abschlusslesung

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Jede Schreibwerkstatt hat eine Abschlusslesung, auch mach dich laut. Am letzten Freitag wurden in der Lettrétage in Berlin-Kreuzberg einige der vielen Texte präsentiert, die während der Werkstattwoche entstanden sind. Es war schön, es war laut, es war voll. Leider haben wir nicht das Publikum fotografiert, aber immerhin alle Mitlesenden.

v.l.n.r.: Die Teilnehmer*innen der Schreibwerkstatt

v.l.n.r.: Die Teilnehmer*innen der Schreibwerkstatt

 

 

Herbststillstand.

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Herbststillstand.

von Valerie

Disclaimer: Alle unten beschriebenen Ereignisse sind genau so geschehen. Hand aufs Herz.

 

Wir fahren zur Insel der außergewöhnlichen Kinder“

Der Satz steht kurz in dem engen Raum zwischen uns vieren, dann geht er im Lautgemenge des Busses unter. So wie es die Dinge meistens tun, die kurzen Berührungen, Funken von Bewusstsein, verstreute Radiowellen im All.

Anna und Samira unterhalten sich darüber, dass der kleine rothaarige Junge hinter mir irgendwann anfangen wird zu stinken. Jetzt noch ist er süß. Hinter Lisa beschützt ein Mädchen den kleinen Käfig auf ihrem Schoss, in dem ein Wellensittich sitzt. So grün wie Lisas Haar. Schrill und weich. Weiterlesen

Abendgeschichte: Die Vergänglichkeit des Bacon

Eigentlich war der Lebensweg von Bacon, dem Schwein, alleine schon durch seinen Namen festgelegt. Aber er sollte alle, insbesondere Schweinegesicht, vom Gegenteil überzeugen. Er wusste nicht, wie er das anstellen sollte.

Nach längerem Überlegen beschloss er, seinen veganen Freund um Rat zu bitten. Spoon wohnte zwei Blocks weiter, in einem alten Fabrikgebäude. Also zog ich mir eine Latzhose an und machte mich auf den Weg. Onkel Lars sah mich an diesem Tag das letzte Mal. Als ich zurückkehrte, war ich bereits erwachsen und er war lange tot. Das Haltbarkeitsdatum des Bacon war seit 8 Jahren abgelaufen.

Der Rasen, den ich durchlief, kniehoch – seit zwei Jahren nicht mehr gemäht. Denn der Rasenbesitzer war so dement, dass er jeden Tag dachte, er habe den Rasen am Vortag gemäht. Er war sogar so dement, dass er vergaß, sich abends die Zähne zu putzen. Abends stand er auf dem Balkon, zündete sich eine Zigarette an und zitierte lautstark einige Zeilen aus Goethes Faust. Als ich aus dem U-Bahnhof ins Laternenlicht trat, winkte er mir von oben zu. Ich würde ihn nie wieder sehen und das war gut so.

Bacon im Trend

Bacon an der Fensterscheibe, jeden Morgen. Was sollte das? Sie war zu gebildet für den Job.

Eigentlich hätte sie Ärztin werden können. Dann hätte sie zwar den ganzen Tag Leute aufschneiden müssen, doch immerhin wäre es ein Job gewesen, der ihrem Bildungsstand entsprach.

Und Leute aufschneiden, das war ja im Grunde gar nicht sooo übel. Immerhin hatten Gedärme, Hirne und Adern auch viel Interessantes zu bieten: mehr als die Körperteile lebendiger Menschen verrieten sie uns viel über uns selbst, dachte sie und lachte hysterisch.

Aber jetzt wurde es langsam Zeit, sie wollte nicht zu spät kommen. Sie wickelte sich Gedärme lustvoll um den Hals und verließ mit flatterndem Darm ihre Wohnung. Dazu trug sie als Highlight ein Schweinehirn als Mütze. Da dies natürlich kein normales Outfit ist, wurde auf den Straßen angeekelt angeschaut, aber auch fotografiert und bewundert.

Und ich kann nichts anderes sagen als: ich mochte es!

Mit jeder Faser meines Körpers.

Also bewegte ich das ganze Debakel mit der ganzen Kraft meiner Gedanken. Die ganze Welt betrachtete mit Ehrfurcht das Geschehen.

Der Bergsteiger fiel vom Berg ins Tal.